Zugreisenacht

  Hier mein Bericht über meine Zugreise nach Prag, in der Nacht vom 24. auf den 25. September 2006

 

Also am Sonntag, 24. September ging's los in Köln Hbf. Als ich kurz vor 23 Uhr auf den Bahnsteig kam, fuhr der Zug gerade ein. Vor meinem Wagen stand eine Gruppe von etwa 50 Hühnern, und ich dachte schon, die Nacht ist gelaufen. Aber der Zug fährt nicht nur nach Prag, sondern hat auch Kurswagen nach Kopenhagen und nach Binz auf Rügen. Sie zogen also ab zu einem anderen Wagen; wahrscheinlich waren sie auf dem Weg in den Urlaub an die Ostsee. Schwein gehabt.

Mein 4er Abteil teilte ich dann mit einer netten Studentin, die zurück zum Studium nach Cottbus fuhr; später stiegen in Düsseldorf und Dortmund noch zwei Leute zu. Der Schlafwagenschaffner wunderte sich, daß das Abteil voll war; normalerweise ist das wohl in der Nacht von Sonntag auf Montag nicht so gut belegt ?

Die Nacht verlief unspannend. In Berlin-Lichtenberg wachte ich kurz auf, weil dort ewig rangiert wird und der Kurswagen nach Binz abgekoppelt wird. Ab Dresden hatte ich das Abteil dann für mich alleine und holte mir aus dem benachbarten Schlafwagen ein leckeres, wenn auch nicht ganz billiges Frühstück.

start.de

Besser hatten das die Leute aus dem Nachbarabteil. Das war eine Gruppe deutscher Bahnfans, die wohl einen Ausflug nach Tschechien machten. Ein Teil der Gruppe stieg erst in Dresden zu und brachte für die anderen aus NRW eine ganze Tüte frischer Brötchen mit. Derart gestärkt, verbrachten sie dann die ganzen zwei Stunden zwischen Dresden und Prag, sich über die veraltete tschechische Bahn lustig zu machen. Es war kaum zu ertragen, aber ich schloß die Tür hinter mir und hielt mir die Ohren zu.

Pünktlich gegen halb elf waren wir dann in der Goldenen Stadt. Der Bahnhof Praha hl.n (zu deutsch: Hauptbahnhof) ist zugleich Endstation der Reise und liegt sehr zentral. Dort kaufte ich mir die Rückfahrkarte für den Folgetag, bis Dresden, und ging dann in zehn Minuten in mein Hotel Evropa direkt am Wenzelsplatz, wo ich ein schönes Zimmer bezog.

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Ein Bericht über das Treffen des ICANN Studienkreises, weswegen ich ja nach Prag gefahren war, folgt hier in englischer Sprache.

The only way to be sure of catching a train is to miss the one before it.
Gilbert K. Chesterton

 

Am Dienstag abend gegen 18 Uhr war die Konferenz zu Ende. Also Koffer geschnappt, die zehn Minuten zurück zum Hauptbahnhof gegangen und zurück in den Zug. Ich wollte auf der Rückfahrt in Dresden und Chemnitz Station machen; der Zug war dennoch der Nachtzug, der auch zurück nach Köln und Dortmund ging; nur daß ich dieses Mal eben im Sitzwagen bis Dresden fuhr.

Der Prager Hauptbahnhof ist doch etwas heruntergekommen. Die meisten Touristen und vor allem auch Geschäftsreisenden (es gibt sehr viele Kongresse in Prag) fliegen wohl, was angesichts der guten Zugverbindungen und der zentralen Lage des Hauptbahnhofs völlig unverständlich ist. Praha hl.n ist im Grunde eine riesige Spielhalle mit unheimlich vielen Glücksspielautomaten, Freßbuden usw, alles noch etwas mit sozialistischem Charme der 1980er Jahre und seitdem wohl kaum verändert.

Leider hatte ich meine tschechischen Kronen bis auf den letzten Heller für Postkarten usw ausgegeben, so daß ich im Hauptbahnhof nichts mehr zu essen kaufen konnte, sondern im Zug auf deutsches Bier und Sandwich aus dem Schlafwagenbuffet ausweichen mußte, was eben in Euro bezahlt werden konnte. Gegen halb zehn holte mich dann Robert am Dresdner Hauptbahnhof ab. Vielen Dank für das Super-Nachtquartier !

Am nächsten Tag fuhr ich mit Robert, der in Freiberg arbeitet, auf seiner Arbeitsstrecke, dann blieb ich im gleichen Zug bis Chemnitz. Immerhin haben wir dort sechs Jahre lang gewohnt und Simon ist dort auf die Welt gekommen. Ich machte in Chemnitz einen kleinen Stadtrundgang, zu unserer alten Wohnung auf dem Sonnenberg und dann mit dem 31er Bus und der 1er Straßenbahn zum Mittagessen mit Carla, Olaf und Judy. Nochmal danke nach Chemnitz !

Für die Rückfahrt nach Köln am Abend wollte ich dann erstmals ein Handy-Ticket bei der Bahn kaufen mit dem neuen Nokia E61 - (auch) dazu hatte ich es ja schließlich gekauft. Beim fünften Versuch klappte das dann endlich, und das Ticket Chemnitz - Köln erschien als Hieroglyphen-MMS auf meinem Display. Nun hatte ich noch etwas Sorge, da ich mein Handy-Aufladekabel in Köln vergessen hatte und natürlich das beste MMS-Ticket nichts nutzt, wenn der Akku leer ist, bevor der Schaffner zur Kontrolle kommt. Die Fahrt über Leipzig und Hannover hat dann aber gut geklappt und der Akku machte nicht schlapp. Von den drei Schaffnern in den drei Zügen konnte allerdings nur einer die MMS einscannen, die anderen beiden waren leicht überfordert und ließen mich halt so mitfahren. Sie hatten wohl schon mal gehört, daß es seit dem 1. September diese Handy-Tickets gibt ...

Von Chemnitz bis Magdeburg hatte ich nette Begleitung; eine junge Chemnitzerin, die auf dem Weg zu ihrem Freund in Potsdam war. Ihr Freund ist Berufssoldat und auch sie will in den nächsten Monaten diese Karriere einschlagen. Ich hatte mir noch nie so viel über das Thema Frauen bei der Bundeswehr Gedanken gemacht wie an diesem Mittwoch.

Kurz nach Mitternacht waren wir dann wieder in Köln. Leider hat die Bahn vergessen, daß man ja normalerweise mit dem Fernverkehrsticket mit Bahncard am Zielort auch kostenlos den ÖPNV nutzen darf, aber das gilt wohl noch nicht fürs MMS-Ticket - oder ? Also nochmal 1,20 Euro berappt und von der Straßenbahn wohlbehalten ins Bett gebracht worden.

Eberhard Blocher

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Hier ist mein anderer Bericht: Reise mit dem Zug in der Nacht - www.reisezugnacht.de
Und hier können Sie Fahrkarten für die Nachtzugreise mit der Deutschen Bahn buchen - www.nachtzugreise.de
Hintergrundartikel zum Nachtzug - Februar 2015

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